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Auf einem Ausflug in Basel Nord mache ich Bekanntschaft mit einem Gebiet, das mir für Basel sehr typisch scheint. Zum einen deshalb, weil es sich im Trinationalen Raum befindet und zum anderen, weil die Landschaft geprägt wird durch die Industrielle Nutzung des Rheins.


Thomas Brunner, HyperWerk
Aktionszonen in Basel Nord

Die These: Bewegung ist mehr als Transport. Sie eröffnet eine neue Dimension beim Erleben des Stadtraums.
Die Umsetzung: Errichtung von Aktionszonen, die das Gebiet für den Langsamverkehr erschliessen. So könnte es gelingen, mit dem Blickwinkel und der Erlebniswelt des Langsamverkehrs, das Gebiet als neuen, lebenswerteren Raum wahr zu nehmen


Das Gebiet

Bessere Verbindungen für den Langsamverkehr und mehr Freiraum für Bewegungsaktivitäten und Erholung wünschen sich viele Städte. Mit der Umstrukturierung des Hafengebietes gibt es in Basel bald Platz um dies zu gewährleisten.
Das Gebiet ist sowohl geografisch (trinationaler Raum) wie auch historisch (industrielle Nutzung des Rheins) prägend für die Identität der Stadt Basel.
Gemäss dem Richtpan der Stadt Basel ist eine Urbanisierung des Hafenareals erwünscht. Man hofft auf "neue wertschöpfungsintensive Einrichtungen", aber auch der Hafenbetrieb soll weiterhin aufrecht erhalten bleiben. Weiter soll mit neuen Fuss- und Veloverbindungen, die durch den Hafen führen, eine bessere Anbindung an das Dreiländereck geschaffen werden.


Der Langsamverkehr

Die Einsicht, dass der Langsamverkehr zu fördern ist, setzt sich in der breiten Oeffentlichkeit und bei den Entscheidungsträgern immer mehr durch. Beim Ausbau der Verkehrsnetze, so steht es im Richtplan, sind die betrieblichen und gestalterischen Massnahmen zu erhöhen. Die Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr und dem öffentlichen Verkehr auf den Langsamverkehr gelang allerdings bisher noch nicht im gewünschten Ausmass.
Dabei wird mir im Zusammenhang mit dem Langsamverkehr und der Freiraum-Diskussion etwas bewusst: Die Bewegung durch Zeit und Raum, die im Verkehr Tatsache ist, ergibt eine weitere Dimension des Raums. Man müsste die Stadt vermehrt so gestalten, dass solche Erlebnisse besser möglich sind. Die Planung ist jedoch bisher vielmehr darauf ausgerichtet, den Bewohnern oder Besuchern ein ausreichendes Angebot zum Verweilen und Konsumieren zu bieten. Falls man aber unterwegs ist, soll man möglichst schnell an sein Ziel kommen. Die Art, wie sich die Mehrheit der Leute in der Stadt bewegt, entspricht im Prinzip genau der Art, wie sie geplant wurde: Wir benutzen den MIV oder auch den ÖV um an einen Ort zu gelangen wo das Erlebnis auf uns wartet. Weil sich zwischen unserer Langeweile und dem Spektakel kein Ereignis anbietet, wählen wir eine möglichst passive Art der Fortbewegung, also bestimmt keine Form des Langsamverkehrs.


Die Idee

Als Knackpunkt zur Förderung des Langsamverkehrs sehe ich somit eine Dimension des Raums, welche in der Raumplanung berücksichtigt werden sollte, bisher aber noch weitgehend unbeachtet geblieben ist. Es handelt sich dabei um die gezielte Gestaltung von Elementen oder das Schaffen von Situationen an Verkehrswegen, die es ermöglichen, die Umgebung auch aus der Bewegung heraus zu erleben und zu benutzen.
Die urbanen Sportarten Skateboarden, Parkour und auch BMX als Teil des Langsamverkehrs sind bereits in der Lage, sich auf dem Weg in Situationen zu begeben, die sich der starren dreidimensionalen Planung widersetzen. Deshalb eignen sich ihre Interpretationen der städtischen Umgebung als Anhaltspunkte bei der Neuplanung. Der Berücksichtigung dieser bestehenden Praktiken, die Räume aus der Bewegung heraus erlebbar machen, messe ich grosses Potential zur Förderung des Langsamverkehrs bei!


Die Umsetzung

Die gesammelten Eindrücke auf meiner Rundfahrt haben mich zu einigen Skizzen inspiriert. Diese könnten in Aktionszonen bereits mit geringem Aufwand realisiert werden. Die Verkehrsschikane am linken Rheinufer in Frankreich beispielsweise, könnte man zu einem für den Stadtsport vielfältig nutzbaren Strassenelement umbauen. Skateboarder oder BMX-Fahrer etwa könnten mit ihm spektakuläre Tricks ausführen. Die ursprüngliche Funktion, den Autos die Zufahrt zum Gebiet zu verunmöglichen, bleibt erhalten (Bild 4). Oder bei der Brücke an der Wiese könnte man das Geländer nach aussen versetzen. So würde die schräge Mauer für Stadt-Sportler wie Skateboarder oder BMX-Fahrer zugänglich und nutzbar. Unzählige solche Aktionszonen wären möglich. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Die Aktionszone dient als Ergänzung oder auch Weiterentwicklung der bereits etablierten Begegnungs-, Fussgänger- oder Flanierzonen. Der Name Aktionszone kommt daher, weil der engagierte Stadtbewohner im Bereich dieser Zone Möglichkeiten hat, einen Teil der Verkehrsinfrastruktur aktiv mit zu gestalten. Die Aktionszonen bieten Möglichkeiten, neue Modelle der Verkehrsgestaltung umzusetzen und im Verkehr zu erproben.
Langfristig soll dadurch das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung Nachhaltig beeinflusst werden. Aus Gründen der Realisierbarkeit eignen sich Gebiete, welche in naher Zukunft umgebaut werden (Zwischennutzung) oder durch einen Neubau abgelöst wurden (Brücke an der Wiese).
Im Zusammenhang mit der Urbanisierung, der Umstrukturierung, und der neuen Erschliessung durch den Langsamverkehr grosser Teile in Basel Nord, würden sich die von mir erkundeten Gebiete gut eignen um Aktionszonen einzurichten.


Das Ziel

Ursachen und Motivation meiner Arbeiten sind gleichermassen der Wunsch in einer pulsierenden Stadt zu leben, wie auch ein Bedürfnis nach dem Freiraum oder auch Möglichkeitsraum den der „Homo Ludens“ in einer Stadt zu finden hofft. Ein Ort an dem man nicht viel braucht um alles zu haben.
Das Ziel ist eine Stadt mit Freiräumen, die nicht nur zum Verweilen und Konsumieren gestaltet werden. EIne Stadt mit Strassen, die nicht nur existieren, um möglichst schnell von A nach B zu kommen.